IT-Trends: KI, Machine Learning, Conversational Systems

Was 2019 wichtig wird

20.12.2018

Ob DSGVO oder IFRS 16 – es gab wenige Jahre, in denen EU-Verordnungen sich so weitreichend auf die IT ausgewirkt haben, wie 2018. Worüber viele Nutzer verärgert sind – sei es, weil ihr Postfach mit neuen Newsletter-Anmeldeanfragen übergequollen ist oder weil sie künftig beim Besuch von Webseiten große Pop-up-Fenster schließen müssen – ist eigentlich zum Schutz der Anwender gedacht: Dank der Datenschutzgrundverordnung dürfen Firmen künftig nicht mehr ohne Einwilligung des Kunden seine Daten weitergeben oder beliebig lange speichern. 

Der neue Bilanzierungsstandard IFRS 16 zwingt künftig Unternehmen dazu, Leasingverträge in der Bilanz mit auszuweisen. Hier hat sich gezeigt, wie sich durch intelligente Software diese Verträge klassifizieren und deren Inhalte wie zum Beispiel Klauseln oder Datenpunkte erfassen lassen.

Artificial Intelligence und Machine Learning-Verfahren werden auch im neuen Jahr die IT maßgeblich prägen. Welche Trends wir im Bereich KI sehen, haben wir bereits erklärt. Näheres dazu gibt es in diesem Artikel: „IntraFind nennt fünf KI-Trends für 2019“.

Darüber hinaus haben wir uns wie immer zum Jahresende in unserem Hause umgehört und die Kollegen gefragt, was aus ihrer Sicht in der IT im neuen Jahr wichtig wird. Hier die Antworten:

 

Franz Kögl, Vorstand IntraFind Software AG: Legal Tech im Vormarsch

„Der Legal Tech Bereich wird im neuen Jahr auch weiterhin sehr große Fortschritte machen: Artificial Intelligence und Machine Learning-Verfahren werden Legal-Anwendungen weiter vorantreiben. Besonders von Advanced Learning kann der Bereich profitieren: Intelligente Software für die Analyse von Verträgen ist dabei nicht nur in der Lage, die wichtigsten Klauseln und Datenpunkte aus seitenlangen Verträgen zu erkennen, zu extrahieren und aufzulisten. Die Software wird durch User Feedback immer besser: Markiert der Anwender eine Klausel im Text, die für ihn relevant ist, lernt die Software daraus und erkennt sie auch im nächsten Dokument, sofern sie dort vorkommt. KI-basierte Software passt sich also den Bedürfnissen der Anwender an und hilft Juristen dabei, noch effizienter zu arbeiten und keine relevanten Klauseln zu übersehen. Diese intelligente Lese- und Review-Hilfe ist aber nicht nur für Juristen eine deutliche Arbeitserleichterung, wir werden das Konzept allgemein unseren Kunden für alle Text-Prüfungs-Usecases anbieten – und auch in unserer Enterprise Search Core-Applikation nutzbar machen“.

Alexander Orlov, Product Lead Cloud and SaaS, IntraFind Software AG: Cloud-Anwendungen werden selbstverständlicher

„On premise war gestern – immer mehr Anwendungen werden in die Cloud verlagert. Das wird auch 2019 so sein. Die Leistung der Server steigt, Cloud-Anwendungen werden dabei ebenfalls immer leistungsfähiger und vielfältiger – und vor allem auch alltäglicher. Im Privatleben wird die Cloud kaum noch in Frage gestellt. Die Menschen lagern ihre Fotos, Videos und auch Musikstücke in Cloud-Speicher aus, damit sie überall verfügbar sind. Auch im Business-Alltag werden Cloud-Anwendungen zunehmend Normalität werden. Die Vorteile überwiegen: Unternehmen sparen sich IT-Infrastruktur und Updates können schnell und übergreifend eingespielt werden.“

Manuel Brunner, Partnermanager, IntraFind Software AG: Abschied von der Trefferliste

„Enterprise Search-Anwendungen können mehr, als nur die einzelnen Suchergebnisse aufzulisten. Der Abschied von der klassischen Trefferliste hat bereits begonnen und wird sich auch im neuen Jahr weiter fortsetzen: Graphdatenbanken und Knowledge Graph ermöglichen hier ganz neue Use Cases. Ergebnisse können als semantisches Netz dargestellt werden. Mitarbeiter sind in der Lage, dem Anwender viel besser aus seinem Suchkontext heraus zu helfen. Ist ein Kunde beispielsweise auf der Suche nach einem neuen Auto, kann ihm der Verkäufer durch die softwaregestützte intelligente Verknüpfung der hinterlegten Daten oder dem Kontext seines Benutzerverhaltens wie Familienstand, Budget, Ausstattungswünsche, passende Treffer gefeatured vorschlagen. Das ist die Zukunft von Enterprise Search.“

Christoph Goller, Head of Research, IntraFind Software AG: Conversational Systems erleichtern Bedienung von Software

„Natural Language Processing (NLP), also die Unterstützung von natürlicher Sprache für Software, wird eine immer größere Rolle spielen. Unternehmensanwendungen werden zunehmend per Spracheingabe bedienbar sein – das gilt auch für Enterprise Search-Anwendungen. Im Kundensupport setzen sich Chatbots immer mehr durch, nehmen die Fragen der Kunden auf und beantworten sie in den meisten Fällen auch. Darauf aufbauend werden sich Conversational Systems sehr stark weiterentwickeln. Mitarbeiter im Call Center oder Kundensupport werden Fragen und Antworten über FAQ-Systeme abgleichen, durch die sie über virtuelle Assistenten geführt werden.“

Breno Faria, Software Development, IntraFind Software AG: Demokratisierung von KI

„Im Hinblick auf KI wurden in den letzten Jahren wiederholt Durchbrüche erzielt. Bisher haben aber noch viel zu wenige davon den Alltag moderner Wissensarbeiter verändert. Das liegt daran, weil KI bisher eher auf den Consumer-Bereich beschränkt war. Demgegenüber wurden KI-Anwendungen auch viel zu sehr durch die Brille des Forschers entwickelt und weniger aus der Sicht des Anwenders. Es verhält sich ähnlich wie bei der bekannten Metapher: Man entwickelt immer bessere Hämmer und sucht nun verzweifelt nach Nägeln. 2019 werden KI-Methoden demokratischer in Unternehmen zur Verfügung stehen und mehr Benutzergruppen werden davon profitieren. KI-Software wird spezialisierte Anwendungsfälle ermöglichen und konkrete Probleme zielgerichtet lösen. Die Systeme werden sich dabei im Unternehmenskontext noch enger an das Verhalten des Anwenders anpassen.“

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Der Autor

Christiane Stagge

Christiane Stagge ist seit 2006 als IT-Redakteurin tätig. Seit 2016 unterstützt sie die IntraFind Software AG in der Unternehmenskommunikation. 

 

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