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"Cognitive Computing" - alter Wein in neuen Schläuchen? Ein Plädoyer für den Boykott ständig neuer IT-Buzzwords.

 

Eine Bitte an alle IBM Buzzword-Marketeers:

 

Auf der diesjährigen Knowtech wurde unter anderem in einer Blog-Parade das Thema "Zukunft des Wissensmanagements: Was ändert sich mit Cognitive Computing?" diskutiert. Mir geht das ständige Generieren neuer Hype-Begriffe in der IT ziemlich auf die Nerven.

 

Ich bin auch davon überzeugt, dass wir mit großen Datenmengen und Verfahren aus den Bereichen Artificial Intelligence (AI), Machine Learning, Statistical Analysis und Text Mining in den nächsten Jahren sehr nützliche und neue Anwendungen realisieren können. Diese Verfahren in die Praxis zu bringen, daran arbeiten wir bei IntraFind schon seit über 10 Jahren. Aber ich sehe eher eine Evolution an Stelle der mit immer neuen Hype-Begriffen propagierten Revolutionen, die mit ihren übertriebenen Versprechungen nur unrealistische Erwartungen bei Unternehmen und Anwendern wecken.

 

Die von IBM bei Watson eingesetzten Verfahren sind keineswegs so revolutionär wie oft behauptet. Als Erklärung des Begriffs „Cognitive Computing“ finde ich mit Google als ersten deutschsprachigen Treffer z.B. folgende Textpassagen: "Der hier entscheidende technologische Aspekt ist, dass Watson nicht wie bisher mit Nullen und Einsen Ergebnisse nach dem Prinzip "wahr/falsch" beziehungsweise "Transaktion durchgeführt" oder "fehlgeschlagen" ausführt. Vielmehr wird, zwar immer noch mit Hilfe des dualen Systems, auf Grundlage teilweise unsicherer Informationen, Annahmen und auch Spekulationen basierend auf Wahrscheinlichkeiten nach Antworten auf komplexe, in natürlicher Sprache gestellte Fragen gesucht."

 

Genau darum geht es doch seit über 50 Jahren in allen Arbeiten im Bereich AI! Watson ist ein tolles AI-System mit beeindruckender Leistung für Jeopardy. Das meiste, was jetzt von IBM unter dem Namen Watson beworben wird, hat aber mit Watson nichts zu tun. 

 

Also bitte, liebe IBM, nicht schon wieder einen neuen Hype um Watson mit dem sinnlosen Begriff "Cognitive Computing". Mich nervt schon das viele Gerede von "Big Data" ...

 

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Der Autor

Christoph Goller

Dr. Christoph Goller verfügt über 15 Jahre Erfahrung im Enterprise Search Markt. Er promovierte in Computerwissenschaften an der Technischen Universität in München und arbeitete im Anschluss in einigen wissenschaftlichen Projekten zu Themenbereich Künstliche Intelligenz, Machine Learning sowie Neuronale Netze.

 

Seit 2002 leitet er den Bereich Forschung bei IntraFind und verantwortet IntraFind's Kern-Suche- und Content Analyse Technologien. Zwischen 2003 und 2007 arbeitete Christoph aktiv als Committer in Apache's Open Source Projekt Lucene.

 

 

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